Gründe für Taijiquan

Ich werde oft gefragt, was Taijiquan ist, bzw. warum ich das mache. Dies ist eigentlich ganz einfach zu beantworten, aber aus irgendeinem Grund verstehen das ganz viele Leute, die mir diese Fragen gestellt haben, nicht. Sie erwarten irgendwelche logischen Gründe, erklärbare Motive, erhoffen sich Vorteile, wenn man denn diese Kunst trainiert. Hier also ein paar solcher Gründe, die zwar nicht erklären warum ich die Kunst ausübe, aber vielleicht gefallen dem Einen oder der Anderen die Antworten.

Taijiquan ist eine Kampfkunst

Oft fragt man mich dann:

Aber gibt es dann auch Anwendungen? Kämpft man dann so richtig mit einem Partner oder so?
Nein, oder?

Ja, tut man. Eine Kampfkunst ist eine Kampfkunst.

Interne Kampfkünste, zu denen Taijiquan zählt haben im Kontrast zu externen Kampfkünsten einen sehr angenehmen Nebeneffekt. Die Übungen halten den Körper gesund.

Mobilisation des gesamten Bewegungsapparates

Im Taijiquan werden alle Gelenke mobilisiert. Schwerpunkt sind die Schulter und die Hüfte. Diese müssen zunächst befreit, bzw. geöffent werden. Dasselbe muss mit den Wirbeln gemacht werden, den Handgelenken, Knien, usw.
Irgendwann ist alles geöffent und siehe da: Keine Schmerzen mehr. Viele Problemchen sind verschwunden.

Bis ins hohe Alter praktizierbar

Tatsächlich ist eine Motivation Taijiquan zu praktizieren für mich die Tatsache, dass man diese Kunst noch ins hohe Alter praktizieren kann. Viele der Meister sind sehr alt geworden.
Grund ist, dass der Körper zunächst sehr schonend bearbeitet wird. Einige Kampfkünste kann man mit dem Älterwerden immer weniger praktizieren. Die erforderte Kraft und Ausdauer gehen schließlich zur Neige.
Bei Taijiquan ist das anders. Ziel ist nicht eine stetig hohe Kraft und Ausdauer, sondern Präzision. Und je älter man wird, desto präzisier werden durch konsequentes üben die Techniken.

Man lernt seinen eigenen Körper kennen

Nach einiger Zeit regelmäßigen Trainings nimmt man seinen eigenen Köper viel bewusster wahr. Man lernt, auf den Körper zu hören. Man kann ihm dadurch auch mehr vertrauen. Für jüngere Leute ist das evtl. ein komisches Gefasel, aber für ältere Menschen mit typischen altersbedingten Problemen ist das ein interessante Eigenschaft dieser Kunst.

Natürlich profitieren auch jüngere und junge Menschen von dieser Eigenschaft. Die ignorante Sichtweise, der Körper sei nur eine Maschine und der Geist ist das was wichtig ist, ist stark in der westlichen Welt verbreitet. Das der Körper und Geist eine Einheit sind hört man oft, gelebt wird es aber selten. Zum Glück gibt es einen Trend in die Richtung, diese Einheit wieder zu leben. Taijiquan ist dafür bestens geeignet.

Es ist ein spiritueller Weg

Taijiquan selbst hat entgegen dem allgemeinen Bild was man davon hat zwar wenig mit Spiritualität zu tun, der Weg jedoch, den man einschlägt um diese Kunst zu erlernen hat durchaus etwas spirituelles. Besonders wenn mit chinesischen Methoden unterrichtet wird, was ich auch tue.
Der Weg eröffnet neue Einblicke und reduziert die Komplexität unserer modernen Welt.

Und noch vieles mehr

Ich könnte auch ganz banale Dinge aufzählen, wie: man kann sich problemlos bücken und die Schuhe binden.
Durch Taijiquan kann ich zum Beispiel auch viel besser Möbel transportieren. Oder meine Kinder tragen. Ich bin ich nicht besonders aus der Puste, wenn ich schnell mal 6 km Marathon-Staffel laufe. Die 5 Stockwerke in mein Büro hoch Sprinte. Den Löffel doch noch im Flug fange, bevor er vom Tisch auf den Boden fliegt.
Jeden Tag fallen mir Dinge auf, die durch das Taijiquan Training viel einfacher sind.

Pawel Müller

Pawel Müller

Seit 2009 trainiere ich intensiv diese Kampf- und Bewegungskunst. Nach mehreren Monaten Training in China bin ich seit 2017 interner Schüler von Meister Chen Zhonghua. Ich unterrichte in und um Wien.

Read More